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Die Mumien von Palermo PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Peter Haefele   

.....ein Trip in die Katakomben der Kapuziner

(Alle hier gezeigten Bilder können durch anklicken vergrößert werden!)

 

Wir sind in Campofelice di Roccella, eine 6000 Seelen Gemeinde an der Nordküste Siziliens, es ist der 9 Oktober

2009, ein sonniger Tag und das Quecksilber klettert bereits zum Frühstück auf 25 Grad Celsius, vom Meer her weht

eine angenehm frische Brise zu uns an den Frühstückstisch unserer Hotelterrasse herüber.

Bei einer Tasse Latte macchiato besprechen wir (Peter, Hanni & Heide) den Tagesablauf, es ist unser Dritter Tag

auf Sizilien und heute wollen wir mit dem Mietwagen in die knapp 60 KM entfernte Hauptstadt Palermo fahren,

ein mutiges Unterfangen, denn Palermo ist ein gnadenlos brodelnder Moloch, der Verkehr ist unüberschaubar

und chaotisch, Verkehrsregeln wie wir sie aus Deutschland kennen zählen nicht, hier gilt das „Recht des Stärkeren“

, zudem sollte man nicht vergessen das Auto auch während der Fahrt von innen zu verschließen, denn ansonsten

stehen die Chancen seiner Habe im „Stop and Go“ Verkehr der 700.00 Einwohner Stadt beraubt zu werden relativ gut.

All das wissen wir, haben alles noch mal besprochen und fahren nun über die A19, der ältesten Autobahn Siziliens

Richtung Palermo, unser heutiges Ziel sind nicht die Schönheiten der Stadt wie etwa die Kathedrale von Palermo,

sondern die Katakomben der Kapuziner, eine der wohl berühmtesten Grabanlagen der Welt.

Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo, Piazza Cappuccini
Die A19 nach Palermo Piazza Cappuccini

 

Der Verkehr ist entspannt und wir kommen auf der Autobahn sehr gut voran, dann „sagt“ mir mein Navi das ich

abbiegen soll, mitten nach Palermo rein, die Adresse der Katakomben hatte ich mir schon während der

Reisevorbereitungen zu Hause in Deutschland eingespeichert, was ich aber nicht wusste, war das die Adresse

(Via Cappuccini 1) die ich aus dem Internet hatte nicht ganz korrekt war und so begann eine fast 2 Stunden dauernde

Irrfahrt durch Palermo, denn die Richtige Adresse lautet Piazza Cappuccini und zwischen der Via Cappuccini 1 und dem

Piazza Cappuccini liegen 1,6 KM. Das ist zwar nicht viel, in Palermo aber schon, denn es gibt in dem Verkehrschaos

kaum ein Vorankommen und einen Parkplatz wo man das Auto abstellen und zu Fuß weitergehen könnte erst

recht nicht. Erst als ich im Navi unter „Points of Interest" nachgeschlagen habe, sind wir dann zu den

Katakomben gekommen.

 

Für die Leute die auch mal zu den Katakomben möchten habe ich hier die richtige Adresse

und die exakten GPS Koordinaten:

Convento dei Cappuccini

Piazza Cappuccini

90129 Palermo

Tel.:091 / 212633

Italien

38° 06' 715" N (nördlicher Breitengrad) 13° 20' 355" O (östlicher Längengrad)

 

Als wir dann um 13:00 Uhr endlich vor dem Eingang der Katakomben standen, war die Tür verschlossen,

Mittagspause (Siesta) bis 15:00 Uhr. Also warteten wir geduldig, denn zum einen hatten wir einen Parkplatz

gefunden, der zudem auch noch direkt vor den Katakomben lag, zum anderen wollte niemand von uns noch

mal in das Chaos eintauchen. Inzwischen war die Temperatur auf 29 Grad angestiegen und wir warteten mit

laufendem Motor (Klimaanlage) und einer lauwarmen Dose Coca Cola die wir uns zu dritt teilten auf dem Parkplatz

vor dem Kapuzinerkloster. Um ca. 14:55 Uhr kam dann ein etwa 40-45 jähriger Mann (Typ Abschaum) zu uns ans Auto

und erklärte mir in einer von mir empfundenen Lautstärke von etwa 110 Dezibel , das er für 1 Euro auf unser

Auto aufpassen würde [....] Schutzgelderpressung für arme würde ich mal sagen.

Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,   Piazza Cappuccini Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,   Convento dei Cappuccini
Unser Leihwagen (li) auf dem Piazza Cappuccini
Convento dei Cappuccini

 

Unser Leihwagen war zwar Vollkasko ohne Selbstbeteiligung versichert, jedoch hatte ich auch nicht das Bedürfnis

nach unserm Besuch in den Katakomben ein Auto mit zerstochenen Reifen, eingeschlagenen Scheiben, zerkratzten

Lack oder was man sich sonst in einer solchen Situation alles vorstellen kann vorzufinden. Also gab ich ihm den Euro

und nahm ihm das Versprechen ab, das er auf unser Auto besonders gut aufpasst.

Pünktlich um 15:00 öffneten dann die Katakomben.

Was aber ist an den Katakomben so interessant, das man das alles auf sich nimmt?

 

Zitat aus Wikipedia:

 

Die Kapuzinergruft von Palermo (ital.: Le Catacombe dei Cappuccini), eine weitläufige Gruftanlage unter

dem Kapuzinerkloster, ist mit ihren natürlichen Mumien einer der bekanntesten Mumiengrablegen der Welt.

Im Jahre 1534 bauten die Kapuziner, ein erst kurz zuvor gegründeter Reformzweig des Franziskanerordens,

vor den Toren der Stadt Palermo ihr erstes Kloster auf sizilianischem Boden.

1599 entschloss man sich, unterhalb des Hochaltars ein größeres Grabgewölbe auszuheben, weil der Raum

für die wachsende Zahl der Mönche nicht mehr ausreichte. Als die Brüder hinunterstiegen, um die 40 Leichname

aus der alten in die neue Gruft zu überführen, entdeckten sie zum allgemeinen Erstaunen, dass sie es nicht wie

erwartet mit Skeletten, sondern mit Trockenmumien zu tun hatten. Der Abt veranlasste, den ungewöhnlichen Fund

entlang der Wände aufzustellen, zur Mahnung der Mönche, sich auf ihr eigenes Sterben sorgfältig vorzubereiten.

Der älteste noch erhaltene Leichnam ist der von Frate Silvestro da Gubbio, gest. 1599. Im sog. „Priestergang“ ist der

Leichnam von Mons. Franco D’Agostino zu sehen, eines Bischofs (byzantinisches Ritual) in vollem Ornat.

Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Priestermumie im Convento dei Cappuccini Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Mönchsmumie im Convento dei Cappuccini Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Mönchsmumie im Convento dei Cappuccini
Priestermumie Mönchsmumie Mönchsmumie
Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo, Skelettierte Leiche im Convento dei Cappuccini Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo, Trockenmumie im Convento dei Cappuccini
Skelettierte Leiche im Convento dei Cappuccini
Trockenmumie
Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Palermitanermumie im Convento dei Cappuccini Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Pristermumie im Convento dei Cappuccini Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Eine vom Feuer beschädigte Mumie im Convento dei Cappuccini
Mumie eines Palermitaners
PriestermumieEine vom Feuer beschädigte Mumie

 

Bis 1670 diente die neue Kapuzinergruft vornehmlich den Mönchen als Grabstätte. Im Laufe der Zeit aber wurde

der Druck der Gläubigen auf das Kloster nach Bestattungen in der Gruft größer. Vor allem Angehörige der

palermitanischen Oberschicht wollten in der Nähe der heiligmäßigen Ordensleute beigesetzt werden.

Diesem Verlangen konnten sich die Brüder auf Dauer nicht verschließen, zumal sich unter den Bewerbern viele

Wohltäter des Klosters befanden. Die Erlaubnis zum Begräbnis in der Gruft erteilten bis 1739 das Generalkapitel

und die Superioren der Kapuziner und erst ab dann die Prioren des Klosters. Um des wachsenden Andrangs

Herr zu werden, wandten die Mönche eine besondere Methode an. Dieses Verfahren bestand darin, dass man die

eingelieferten Verstorbenen zu mehreren in kleine, trockene Räume, sogenannte „Colatoi“ auf Terrakottaröhren über

steinerne Wannen legte. Die Austrocknungskammern waren, wie der Rest des Gewölbes, in den anstehenden

vulkanischen Tuffstein gehauen bzw. teilweise mit Tuffquadern ausgemauert worden. Die Trocknung geschah hier,

abweichend von anderen Befunden dieser Art, unter völligem Luftabschluss. Der poröse Tuff saugte die

Leichenflüssigkeit auf, worauf die Leichname binnen acht bis zehn Monaten völlig ausdörrten. Dann wusch man sie

mit Essig, ließ sie noch circa zwei Wochen in der Sonne trocknen und kleidete sie dann in ihre Amtstracht, Uniformen

oder Festtagskleider. Erst danach wies man ihnen ihren Platz in einem der Korridore an, wo sie von Verwandten und

Freunden besucht und von Zeit zu Zeit neu eingekleidet werden konnten. Zusätzlich zu der beschriebenen natürlichen

Mumifikation gab es noch die Methoden der Behandlung mit Kalk oder Kalkmilch sowie mit Arsenik. Mumien, die mit

den letztgenannten Verfahren behandelt wurden, sind besonders gut erhalten.

 

Das Verlangen der besseren Kreise Palermos nach einem Begräbnis bei den Kapuzinern hielt mehr als zwei

Jahrhunderte unvermindert an. Erst im Jahre 1837 verbot die Regierung diese Art der Bestattung. Es fanden zwar

noch bis 1881 Bestattungen statt, allerdings mussten die Mumifizierten Leichname in Särgen aufbewahrt werden.

Seitdem ist die Gruft mit ihren rund 1200 Mumien (die in Reiseführern u. ä. häufig genannte Zahl von mehreren

tausend Mumien dürfte auf die Gesamtbelegungszeit anzuwenden sein) unverändert. Viele der Mumien sind zwar

beschädigt oder schlecht erhalten, aber es gibt immer noch viele hunderte unbeschädigte Mumien zu besichtigen.

Insgesamt gibt es fünf Korridore, Korridor der Männer, Korridor der Frauen, Korridor der „Professionisti“

(Ärzte, Rechtsanwälte, Lehrer, Künstler, Politiker sowie Offiziere des bourbonischen und italienischen Heeres),

Korridor der Priester und Korridor der Mönche/Brüder, zwei Nischen (Nische der Jungfrauen und Nische der Kinder),

eine Kapelle der heiligen Rosalia und weitere Räume. Einer davon ist einer der geöffneten „Colatoi“, in diesem

befinden sich bis heute zwei getrocknete Leichname, ohne dass diese bisher bestattet worden wären. Viele Särge

des Frauenganges fielen einem Bombenangriff am 11. März 1943 auf Palermo zum Opfer, bei dem die Gruft getroffen

wurde. Auch bei einem Brand im Jahre 1966 wurden in diesem Bereich weitere Särge beschädigt oder vernichtet.

 

Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Kindermumie im Glassarg Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Mumie der kleinen Rosalia Lombardo ( † 1920 ) Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Mumie der kleinen Concettina Marino
Kindermumie im Glassarg
Rosalia Lombardo 1918-1920
Concettina Marino 1875-1880

 

Unter den Toten in der Kapelle der Hl. Rosalia befindet sich der unvergleichlich erhaltene Leichnam der zweijährigen

Rosalia Lombardo, die am 6. Dezember 1920 an der Spanischen Grippe starb. 2009 wurde das Geheimnis der

Einbalsamierung gelöst. Nach einem aufgefundenen Schriftstück des mit der Mumifizierung beauftragten

Alfredo Salafia verwendete er eine Mischung aus Glyzerin, Formalin, Zinksulfat und weitere Bestandteile.

 

(Ende Zitat Wikipedia )

 

Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Kindermumie in der Wiege Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Palermitanermumie im Convento dei Cappuccini Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Kindermumie im Convento dei Cappuccini
Kindermumie in der Wiege
Mumie eines Rechtsanwalts Kindermumie
Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo, Skelett Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo, Palermitanermumie im Convento dei Cappuccini
Skelett Palermitanermumie

 

An der Kasse zahlen wir 3 Euro Eintritt pro Person, zu unserm Erstaunen haben sich keine weiteren „Gäste“

eingefunden, die die Mumien sehen möchten, nun ja, ist halt nicht jedermanns Sache sich so etwas anzusehen.

Wir gehen den leicht abfallenden Gang, entlang der Weiß gekalkten Wände herunter, dann noch ein paar Stufen

herab und augenblicklich kommt es mir vor als sei ich mit Lichtgeschwindigkeit aus der Gegenwart heraus in

einen Indiana Jones Film oder einen dieser Mega brutalen Italo Western À la Sergio Leone hinein katapultiert

worden. Was es hier zu sehen gibt, ist definitiv nichts für zarte Gemüter, egal in welche Richtung man schaut,

man sieht nur Leichen, sie stehen (mit Draht festgebunden) in den Gängen, sie sitzen, hocken und liegen dort,

die einen völlig verrottet, andere mehr oder wenig gut erhalten. Besonders heftig wird es wenn man in den Gang

der Kinder kommt, vom Baby bis zum Schulkind ist hier alles vertreten, manche Säuglinge liegen in ihren Wiegen,

so als seien sie verdurstet. Nach etwa 30 Minuten verlassen Hanni und Heide die Katakomben, es ist als würde

ihnen die Luft abgeschnürt, ich bleibe allein und fotografiere noch weitere 30 Minuten, dann verlasse auch ich

das Totenreich.

 

Weitere Bilder der Mumien finden Sie in unserer Fotogalerie

 

Am 14 April 2010 strahlte das ZDF in der Abenteuer Wissen Reihe einen exzellenten Beitrag mit dem Titel

„Rosalias Geheimnis“ aus, Moderator Karsten Schwanke und das ZDF Team begleiteten ein Antrophologen-Team

um die Experten Prof. Albert Zink und Dr. Dario Piombino-Mascali von der Europäischen Akademie Bozen (EURAC)

und gingen mit ihnen auf "Zeitreise", um das Rätsel der Einbalsamierung Rosalia Lombardo`s zu entschlüsseln

und ihre Mumie für die Zukunft zu erhalten.

Ein absolut sehenswerter Beitrag, aus dem auch der hier gezeigte Screenshot stammt.

Rosalia Lombardo, Catacombe dei Cappuccini, Mumie, Convento dei   Cappuccini, Fotopage Peter und Hanni

Rosalia Lombardo 1918 - 1920 „Die schönste und besterhaltene Mumie der Welt“ (Foto: ZDF / Anne Hartmann)

 

 

ZDF Abenteuer Wissen Rosalias Geheimnis 30 Min.

 

Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,   Mumie von Giovanni Paterniti
Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,   Mumie von Giuseppe Siciliano
Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,   Mumie von Antonio Prestigiacomo
Giovanni Paterniti († 1 Mai 1911) Giuseppe Siciliano († 20. März 1851) Antonio Prestigiacomo ( † 1844 )
Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo, Mumie von Colonel Giuliano († 1818) Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo, Colonel Paolo Racona († 1862)
Colonel Giuliano († 1818) Colonel Paolo Racona († 1862)
Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Mumie eines Palermitaners
Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Mumie eines Palermitaners die im 2 Weltkrieg beim Luftangriff auf Palermo am  11. März 1943 schwer beschädigt wurde Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo,  Mönchsmumie
Mumie eines Palermitaners
Mumie: Im 2 Weltkrieg beschädigt
Mönchsmumie

Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Die Mumien von Palermo, Frauenmumie, Palermitanerin

Frauenmumie

 


Die Mumien von Palermo
 

Zum Fotoalbum mit über 200 Bildern der Mumien

   

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