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Europäischer Braunbrustigel

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Der Braunbrustigel (Erinaceus europaeus), auch Westeuropäischer Igel oder Westigel genannt, ist ein Säugetier aus der Familie

der Igel (Erinaceidae). Wird in Europa vom Igel als Art gesprochen, ist meist diese Art gemeint,da sie fast über den gesamten

europäischen Kontinent verbreitet ist. In Osteuropa sowie in Teilen Westasiens ist dagegen der ebenfalls zu den Kleinohrigeln

zählende Nördliche Weißbrustigel die vorherrschende Art. Von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild ist der Igel zum

„Tier des Jahres 2009“ gewählt worden.

Fotopage Peter und Hanni, peter-haefele.de, Igel, Europäischer  Braunbrustigel,   Hedgehok, Wildtier, Erinaceus europaeus, Tier des Jahres  2009

Der Braunbrustigel, das „Wildtier des Jahres 2009“

 

Körpergröße und Gewicht

 

Ein ausgewachsener zweijähriger Braunbrustigel erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 22 bis 30 Zentimetern. Etwa zwei Zentimeter

lang ist der Schwanz. Das Körpergewicht der Braunbrustigel schwankt in Abhängigkeit vom Lebensalter des jeweiligen Tieres und der

Jahreszeit. Braunbrustigel, die ihr erstes Lebensjahr vollendet haben, wiegen in der Regel zwischen 450 und 700 Gramm.

Braunbrustigel, die im Spätsommer mehr wiegen als dies, sind in der Regel älter. Sie können mehr als 1.500 Gramm wiegen, weil sie

Fettreserven für das Winterhalbjahr aufbauen. Im Frühjahr, wenn die Fettreserven durch den Winterschlaf dagegen aufgebraucht

sind, wiegen auch ältere Igel gelegentlich nur noch 350 Gramm.

 

Die Stacheln

 

Auffälligstes Merkmal des Braunbrustigels sind die Stacheln, die die Kopfoberseite und den Rücken bedecken. Die Anzahl der Stacheln

ist abhängig von der Körpergröße. Junge Igel, die gerade in der Lage sind, selbständig das Nest zu verlassen, weisen etwa 3000

Stacheln auf. Ein ausgewachsener, 600 Gramm schwerer Igel hat etwa 5000 und ein sehr großer Igel 7500 Stacheln. Es handelt

sich bei den Stacheln jeweils um modifizierte Haare, die rund 20 bis 30 Millimeter lang und ein bis zwei Millimeter dick sind.

Die „Lebensdauer“ eines einzelnen Stachels liegt zwischen zwölf und achtzehn Monaten, bevor er ausfällt und ein neuer nachwächst.

Die Stacheln sind an der Wurzel cremeweiß und gehen dann in ein Braun über. Unmittelbar vor der weißen Stachelspitze ist die

Färbung des Stachels am dunkelsten. Bei jungen Igeln und gelegentlich auch bei älteren Individuen sind sie an dieser Stelle fast schwarz.

Gelegentlich kommen Igel vor, deren Stacheln die übliche braune Färbung nicht aufweisen. Eine abweichende weiße oder hornfarbene

Stachelfärbung ist in der Regel auf lediglich eine Körperstelle beschränkt. Es treten auch Igel auf, deren Stacheln vollständig weiß oder

hornfarben sind. Es handelt sich bei diesen Igeln nicht um Albinos, denn sie weisen an Gesicht und Bauchseite das für Igel

charakteristische graubraune Fell auf. Auf der Kanalinsel Alderney machen Igel, deren Stacheln eine auffällig helle, hornfarbene

Färbung aufweisen, 25 Prozent der Igel-Population aus: Alderney war ursprünglich igellos, aber 1966 verkaufte die Londoner

Haustierabteilung von Harrods dorthin einige Igel. Unter diesen befand sich offensichtlich mindestens ein Exemplar mit einer

vermutlich rezessiv vererbten Veranlagung für diese auch als „blond“ bezeichneten Stacheln. Die wenigen Gründertiere, auf die

die Igelpopulation auf Alderney zurückgeht, haben die Ausbreitung dieses Merkmals begünstigt.

Albinos treten in Igelpopulationen gleichfalls auf. Sie weisen aufgrund eines Pigmentmangels neben rahmweißen Stacheln ein

ebensolches Fell, eine rosafarbene Haut und rote Augen auf. Da Braunbrustigel nachtaktive Tiere sind, ist die erhöhte Licht-

empfindlichkeit der Albinos von geringer Auswirkung auf die Fitness des individuellen Tieres. Die nächtliche Lebensweise scheint

auch den Feinddruck zu verringern, dem Albinos normalerweise ausgesetzt sind, denn Albinos findet man unter Igeln häufiger als

bei anderen Tierarten.

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Trotz seiner Erblindung auf einem Auge, hat dieser Igel gute Überlebenschancen

 

 

Weitere Merkmale

 

Braunbrustigel haben kurze Gliedmaßen, wobei die Hinterbeine etwas länger als die Vorderbeine sind. Die Füße enden jeweils

in fünf Zehen, die mit Krallen versehen sind. Die zweiten, dritten und vierten Zehen sind annähernd gleich lang, die ersten und

fünften sind kleiner und haben auch kleinere Krallen. Sie sind Sohlengänger, die die gesamte Fußfläche bei der Fortbewegung

aufsetzen. Der Kopf des Braunbrustigels ist mit einer langen, beweglichen Schnauze versehen. Sie haben 36 Zähne, die Zahnformel

lautet 3/2-1/1-2/3-3/3. Das bedeutet, dass sie pro Oberkieferhälfte drei Schneidezähne, einen Eckzahn, zwei Prämolaren und drei

Molaren, pro Unterkieferhälfte zwei Schneidezähne, einen Eckzahn, drei Prämolaren und drei Molaren haben. Die Schneidezähne des

Oberkiefers stehen weit auseinander, sodass die des Unterkiefers dazwischen passen. Wie bei vielen Insektenfressern ist das Gebiss

kräftig entwickelt.

Die Augen sind rund und klein, die Ohren sind mit einer Länge von einem Zentimeter ebenfalls klein und fast völlig im Fell verborgen.

Der Gesichtssinn ist schlecht entwickelt, er spielt aber bei der Nahrungssuche offensichtlich auch nur eine geringe Rolle. Telemetrische

Untersuchungen, bei denen auch blinde Igel zu den untersuchten Igeln gehörten, wiesen auf keine wesentlichen Beeinträchtigungen

dieser Tiere hin. Blinde Igel haben sogar schon erfolgreich Junge großgezogen. Bei der Nahrungssuche verlassen sich Braunbrustigel

vorrangig auf ihren Geruchssinn, wobei das Jacobson-Organ ihnen zusätzlich bei der Witterung von Beute oder Feinden hilft.

Auch das Gehör ist gut entwickelt. Beide Geschlechter weisen jeweils fünf Zitzen je Körperseite auf. Die knopfförmige, hautige

Penisöffnung der Männchen liegt in der Mitte der hinteren Körperhälfte, etwa fünf Zentimeter vom After entfernt. Die Hoden sind

äußerlich nicht zu erkennen. Die Geschlechtsöffnung der Weibchen befindet sich nicht mehr als zwei Zentimeter vor dem After.

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Ein schon etwas älteres Exemplar, das aus dem Unterholz gekrabbelt kam

 

 

Stimme

Beim Erkunden der Umgebung geben Braunbrustigel meist nur leise Schnauf- und Niesgeräusche von sich. Dies ist meist noch

von einem Rascheln begleitet, wenn sie sich durch das Unterholz bewegen. Manchmal sind zusätzlich Schmatz und Knackgeräusche

zu hören, die darauf hinweisen, dass der Igel etwas zu fressen gefunden hat. Ein lauteres Keckern ist zu hören, wenn die eigentlich

einzelgängerischen Igel in der Nähe von Futterstellen anderen Artgenossen begegnen. Es geht in ein Fauchen und lautes Schnaufen

über, wenn Igel sich bedroht fühlen. Gelegentlich wird für Igel auch ein lautes und durchdringendes Schreien oder Kreischen

beschrieben. Igel lassen diese Schreie wohl nur in großer Not hören. Am ausdauerndsten und am lautesten lassen Igel ihre Stimme

während des Paarungsspieles hören. Die Geräusche, die Igel dabei von sich geben, erinnern an Schnarch und Sägegeräusche.

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Ein Jungigel im Herbstlaub

 

Verbreitung und Lebensraum

 

Braunbrustigel bewohnen große Teile West- und Mitteleuropas, darunter die Britischen Inseln, die Iberische Halbinsel, Frankreich,

Italien samt einigen Mittelmeerinseln, Deutschland, die Schweiz und Österreich; daneben Teile des Baltikums, das nördliche

Russland bis zum Uralgebirge, das südliche Finnland sowie das südliche Skandinavien. Beobachtungen lassen darauf schließen,

dass sich im 20. Jahrhundert ihr Verbreitungsgebiet in Skandinavien ausgedehnt hat. Quer durch das östliche Mitteleuropa

(vom westlichen Polen über Österreich bis zur norditalienischen Adriaküste) erstreckt sich ein etwa 200 Kilometer breiter Bereich,

in dem sich das Verbreitungsgebiet des Braunbrustigels mit dem des Weißbrustigels überlappt. In Neuseeland wurde die Art im späten

19. Jahrhundert eingeführt und hat sich dort beträchtlich vermehrt.

Braunbrustigel bevorzugen eine reich gegliederte Feldflur mit einem abwechslungsreichen Bewuchs aus Hecken, Gebüsch,

Bodendeckern, Weideland, Feldraine mit Altgrasbestand oder Staudendickichten, kleinem Gehölz mit Totholzbeständen und

Ruderalflächen. Auch an Laubwaldrändern sind sie zu finden. Sie meiden Nadelwälder, baum- und strauchlose Landwirtschafts-

flächen und zu feuchte Habitate wie Moore. Gebüsche und Hecken, aber auch hohle Baumstämme und Felsspalten dienen

ihnen als Ruheplätze, manchmal beziehen sie auch verlassene Baue anderer Säugetiere. Braunbrustigel findet man heute

überwiegend auf Streuobstwiesen, in naturnahen Gärten, Parks und Friedhöfen sowie in den durchgrünten Siedlungsbereichen

in der Randzone von Städten und Dörfern. Den Verlust ihres ursprünglichen Lebensraums – nämlich einer reich gegliederten

Feldflur – konnten sie zumindest teilweise dadurch ausgleichen, dass sie als Kulturfolger verstärkt den menschlichen Siedlungsraum

erschlossen.

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Junger Igel beim trinken

 

Nahrung

 

Die Hauptnahrung des Braunbrustigels besteht vorwiegend aus Insekten, darunter Käfer wie die Laufkäfer, Ohrwürmer,

Schmetterlingsraupen,sowie Tausendfüßer und Regenwürmer. Nacktschnecken zählen nicht zu seiner bevorzugten Nahrung,

sie machen lediglich zwischen einem und fünf Prozent derselben aus. Gehäuseschnecken werden nur sehr selten von Igeln

gefressen – sein Gebiss erschwert es ihm, die Schneckenhäuser aufzubrechen. Taunasses, von Großvieh extensiv beweidetes

Grasland stellt für Braunbrustigel offenbar einen besonders ergiebigen Jagdgrund dar. Sie legen gelegentlich nachts bis zu einem

Kilometer zurück, um auf solchem Gelände nach Nahrung zu suchen. Der Braunbrustigel frisst auch Säugetiere wie Mäuse, Spitz

und Wühlmäuse und Maulwürfe. Es handelt sich dabei meist um nestjunge, noch blinde Tiere, die der Igel auf seinen nächtlichen

Suchgängen findet. Weder sein Gebiss noch seine Laufgeschwindigkeit befähigen den Braunbrustigel dazu, den ausgewachsenen

Tieren dieser Arten ein ernsthafter Fressfeind zu sein. Braunbrustigel fressen jedoch auch Aas und sind daher gelegentlich an den

Überresten der obengenannten Tiere zu sehen. Vogeleier und -küken stellen während der Brutsaison einen wichtigen Anteil der

Nahrung dar. Hühnereier sind in der Regel für den Igel zu groß, als dass er diese zerbrechen könnte.Er erbeutet sehr wohl aber

Küken des Haushuhns. Auch die Eier bodenbrütender Vögel wie Möwen, Seeschwalben, Lerchen, Fasane und Rebhühner sowie

Pieper werden durchaus von ihm gefressen. Der Igelspezialist Pat Morris verweist allerdings auf Studien über den Bruterfolg von

Jagdfasanen, die gezeigt haben, dass weit mehr Fasanennester durch landwirtschaftliche Maschinen zerstört werden als dem Igel

zum Opfer fallen. Auf einigen Inseln, auf denen der Braunbrustigel eingeführt wurde, stellt der Igel tatsächlich eine Gefährdung

für seltene Bodenbrüter dar. Im Herbst fressen Braunbrustigel gelegentlich überreifes Fallobst – es stellt jedoch nur einen

insignifikanten Anteil an ihrer Gesamtnahrung dar. Möglicherweise interessieren sie sich auch nur für die am Fallobst reichlich

versammelten Insekten.

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Europäischer Braunbrustigel

 

Lebensweise

 

Wie alle Stacheligel ist auch der Braunbrustigel ein dämmerungs- und nachtaktiver Einzelgänger. Den Tag verschläft der Igel in

einem Nest, um in der Dämmerung und Nacht auf Nahrungssuche zu gehen. Der Braunbrustigel hat zwei Hauptaktivitätsphasen.

Die erste liegt zwischen 18 und 21 Uhr, die zweite zwischen 0 und 3 Uhr.

Das Gebiet, das ein Männchen regelmäßig durchstreift, kann bis zu 100 Hektar umfassen. Weibchen dagegen nutzen Reviere,

die selten größer sind als 30 Hektar.Braunbrustigel sind grundsätzlich sehr ortstreu. Sie nutzen innerhalb ihres Revieres mehrere

Nester aus Laub oder Gras, die sie in unregelmäßigen Abständen aufsuchen. Braunbrustigel sind Einzelgänger, die außerhalb der

Paarungszeit Kontakt zu Artgenossen meiden. Sie weisen kein Territorialverhalten auf, sondern haben einander überlappende Reviere.

Männchen legen während ihrer nächtlichen Nahrungssuche etwa zwei bis drei Kilometer zurück. Die nächtlichen Wanderstrecken

der Weibchen sind dagegen etwas kürzer.Telemetrische Untersuchungen haben gezeigt, dass sie auch in der Lage sind, Flüsse

schwimmend zu durchqueren.In der Regel stellen solche Fließgewässer aber die Grenzen ihres Territoriums dar.

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Ein Igelpärchen zur Paarungszeit
 

Das Einrollen des Igels

 

Zu den bekanntesten Eigenschaften der Igel zählt ihre Fähigkeit, sich zu einer Stachelkugel einzurollen. Das Einrollen des Körpers

ist ein komplexes Zusammenspiel zahlreicher Muskeln, darunter des Musculus caudo-dorsalis, der von den Schwanzwirbeln zum Rücken

verläuft und die Stacheln aufrichtet, und eines Schließmuskels (Musculus sphincter cuculli), der das Tier geschlossen hält und so die

ungeschützten Körperteile verbirgt. Jeder Stachel ist zusätzlich mit einem Aufrichtemuskel (Musculus arrector pili) ausgestattet, der bei

Kontraktion dafür sorgt, dass die Stacheln starr aufgestellt werden. Braunbrustigel rollen sich nicht bei jeder Gefahr vollständig ein,

sondern begnügen sich anfangs mit einem Einziehen des Kopfes beziehungsweise dem Aufstellen der Stachelhaube des Kopfes.

 

Winterschlaf

 

Der Braunbrustigel hält einen Winterschlaf, der auch unterbrochen werden kann. Er zählt zu den echten Winterschläfern

und verbringt während der nahrungsarmen Zeit rund fünf bis sechs Monate (von Oktober oder November bis April) in

einem geschützten kugelförmigen Nest, als Winterquartier dienen ihm auch Reisig- oder Laubhaufen. Alle Stoffwechsel-

vorgänge sind dabei stark vermindert. Die Körpertemperatur sinkt von rund 36 Grad auf ein bis acht Grad, die Atemfrequenz

liegt bei ein- bis zweimal pro Minute, der Herzrhythmus sinkt auf fünf Schläge pro Minute. Während des Winterschlafes verlieren

sie zwischen 17 und 26 Prozent ihres Körpergewichtes. Um den Winterschlaf zu überleben, müssen die Tiere mindestens

500 Gramm Körpergewicht haben. Bei 15 Grad Außentemperatur wird der Winterschlaf beendet.

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Zwei Jungtiere, fotografiert auf einer Verkehrsinsel.
 

 

Die Paarung

 

Die Paarungszeit der Igel beginnt bereits Ende April oder im Mai und erstreckt sich bis Mitte August. Männliche Igel legen auf der

Suche nach paarungswilligen Partnerinnen große Strecken zurück. Findet ein Männchen ein paarungsfähiges Weibchen, umkreist

er es mit großer Ausdauer. Das Weibchen entzieht sich den Nachstellversuchen des Männchens, indem sie ihm unter Schnaufen

und Fauchen die Körperseite zuwendet und mit aufgestellten Kopfstacheln und Stößen des Kopfes die Annäherungsversuche des

Männchens abwehrt. Die Bewegungen der beiden Igel sind so auffallend, dass sie gelegentlich auch als „Igelkarussell“ bezeichnet

werden.Ein solches Igelkarussell kann sich über Stunden hinziehen.Kommt ein weiteres Männchen hinzu, nutzt das Weibchen häufig

den kurzen Kampf zwischen den beiden Männchen, um sich zu entfernen.

Trotz der Stacheln vollzieht sich die Paarung der Braunbrustigel in einer für Säugetiere konventionellen Haltung. Das Männchen besteigt

das Weibchen von hinten. Diese drückt ihren Leib flach gegen den Boden und hat gleichzeitig die Stacheln flach angelegt. Die Begattung

kann sich mit kurzen Pausen über eine Stunde hinziehen. Bleibt das Männchen nach der Paarung in der Nähe des Weibchens, dann

verbeißt das Weibchen kurz vor der Geburt das Männchen. In der Regel sucht das Männchen aber bereits kurz nach der Paarung weiter

nach paarungswilligen Partnerinnen.

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Igel auf nächtlicher Insektenjagd
 

 

Jungtiere und Wurfgröße

 

Nach einer Tragezeit von rund 35 Tagen bringt das Weibchen zwischen Juni und September seinen Nachwuchs zur Welt.

Der geburtenstärkste Monat ist der August. In Mitteleuropa werden 61 Prozent aller Jungigel in diesem Monat geboren.

Als Bau nutzt sie ein großes, mit trockenem Gras, altem Laub und Moos sorgfältig ausgepolstertes Nest, das sie etwa einen

Tag vor der Niederkunft baut. Als Kinderstube werden meist regengeschützte Unterstände wie hohle Bäume, Reisighaufen,

Holzstöße oder auch Hohlräume unter Gartenhäuschen und Schuppen genutzt. Die Jungigel wiegen bei der Geburt 12 bis

25 Gramm und haben noch geschlossene Augen und Ohren. Wird die Igelmutter während oder kurz nach der Geburt gestört,

verlässt sie ihren Wurf oder frisst ihn sogar auf. Erst später reagiert sie auf Störungen, indem sie die Jungen in ein anderes Nest

trägt. Die Säugezeit dauert ungefähr bis zur sechsten Woche. In der ersten Woche nehmen sie etwa drei Gramm täglich, ab der

dritten Lebenswoche etwa vier Gramm täglich zu. Am Ende der Säugezeit wiegen Jungigel etwa 200 bis 250 Gramm. Igelmilch

hat einen sehr hohen Trockensubstanz- und Fettgehalt und einen sehr niedrigen Milchzuckergehalt (Lactose) und ähnelt damit

am ehesten der Milch von Robben. Das Fett besteht vorwiegend aus langkettigen Fettsäuren mit einem sehr hohen Anteil von

Linolsäure. Der Eisen- und Zinkgehalt sind ebenfalls außergewöhnlich hoch. Der hohe Zinkgehalt ist vermutlich dem Wachstum der

Stacheln geschuldet, die hohe Gehalte an diesem Spurenelement haben. Die etwa 100 Stacheln, über die ein frischgeborener Igel

verfügt, sind zum Zeitpunkt der Geburt weiß und in die rosafarbene, wie aufgequollen wirkende Rückenhaut eingebettet. Bereits

innerhalb der ersten beiden Lebenswochen wachsen dem Jungigel zunehmend weitere Stachel, die die igeltypische Färbung mit der

braunen Mitte aufweisen. Ab einem Alter von 14 Tagen beginnen sich die Augen zu öffnen. Ab dem 21. Lebenstag stoßen die

Milchzähne durch. Sie werden im Alter von zwei bis drei Monaten allmählich gegen das bleibende Gebiss ersetzt. Im Alter von

dreieinhalb Wochen verlassen die Jungen erstmals das Nest und versuchen selbständig Nahrung zu finden. Die Geschlechtsreife

erlangen sie mit etwa neun Monaten.


In Mitteleuropa tragen Braunbrustigel in der Regel nur einen Wurf pro Jahr aus. Geht der erste Wurf verloren, haben Igel

gelegentlich einen zweiten Wurf, der dann im Spätsommer zur Welt kommt. Diese Jungigel haben jedoch nur eine geringe

Chance, das Winterhalbjahr zu überleben. Sie verfügen meist nicht über ausreichend Fettreserven, um aus dem Winterschlaf

wieder aufwachen zu können. In wärmeren Regionen des Verbreitungsgebietes können Braunbrustigel aber jährlich bis zu zwei

Würfe großziehen. Die Wurfgröße kann zwischen zwei und zehn Jungigeln variieren. Durchschnittlich kommen vier bis fünf Jungtiere

zur Welt. In der Regel verfügt eine Igelmutter nicht über ausreichend Milch, um einen größeren Wurf als fünf Jungigel ausreichend

zu ernähren. Ist das Wetter zu kalt oder zu trocken, so dass die Igelin nicht mehr ausreichend Futter findet, ist selbst die Ernährung

eines solch durchschnittlichen Wurfes gefährdet.Der britische Igelexperte Pat Morris schätzt, dass eine Igelin pro Saison nicht mehr

als zwei, höchstens drei Jungtiere großzieht.

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Ein wenige Wochen altes Orientierungsloses Jungtier auf einer Straße
 

 

Fressfeinde

 

Auch ein vollständiges Einrollen schützt den Braunbrustigel nicht völlig vor Fleischfressern. Zu ihren natürlichen Feinden zählen

Raubtiere wie Marder und Füchse. Steinadler und Uhu zählen wegen ihrer kräftigen, langen Krallen zu den wenigen Tierarten,

die in der Lage sind, auch einen fest eingerollten Igel zu töten. Der Dachs ist kräftig genug, um einen eingerollten Igel aufzurollen.

Uhu und Dachs sind in Mitteleuropa daher die wichtigsten Fressfeinde des Igels. Kranke und unterernährte Igel verfügen häufig nicht

mehr über die Energie, sich fest einzurollen. Hungernde Igel suchen außerdem auch bei Tag nach Nahrung. Solche bereits geschwächte

Igel werden auch von Mardern, Iltissen oder Wildschweinen erbeutet und von Krähen und Elstern attackiert. Sie sind gelegentlich auch

den Attacken von Haushunden ausgesetzt.

 

Krankheiten

 

Braunbrustigel sind sehr oft von Parasiten befallen. Zu den Endoparasiten zählen der Lungenwurm „Crenosoma striatum“ und

Haarwürmerder Gattung „Capillaria“ sowie Kokzidien wie „Isospora rastegaievae“. Bei den Ektoparasiten sind vor allem Flöhe wie

der Igelfloh „Archaeopsylla erinacei“, Zecken und andere Milben von Bedeutung. Braunbrustigel leiden umso stärker unter einem

Parasitenbefall, je unzureichender ihr allgemeiner Gesundheitszustand ist. Schlecht ernährte Igel können dem Befall durch Parasiten

erliegen. Bei den Infektionskrankheiten spielen vor allem Salmonellen eine wichtige Rolle. Tollwut ist hingegen extrem selten, auch

bei der Übertragung der Maul- und Klauenseuche spielen sie keine Rolle.

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Jungtier auf einer Wiese
 

 

Lebenserwartung

 

Es liegen noch keine ausreichenden Informationen darüber vor, wie alt Igel werden können. Belegt ist für in freier Wildbahn

lebende Igel ein Lebensalter von bis zu sieben Jahren. In Gefangenschaft erreichten Igel schon ein Alter von zehn Jahren und

mehr.Die wenigsten neugeborenen Igel erreichen jedoch ein so hohes Lebensalter. Untersuchungen haben gezeigt, dass die

Todesrate bei Jungigeln sehr hoch ist: Aus einem Wurf von fünf Jungigeln stirbt im Schnitt bereits ein Igel, bevor er das erste

Mal das Nest verlassen kann. Von zehn Jungigeln überleben nur ein oder zwei das erste Lebensjahr. Die Igel, die bereits ihr

erstes Lebensjahr abgeschlossen haben, haben dagegen eine 50-prozentige Chance, auch ihr zweites Lebensjahr zu vollenden.

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Igel in der Nacht
 

 

Bestand

 

Flächendeckende Bestandsaufnahmen für Igel liegen für Mitteleuropa nicht vor. Allein in Deutschland werden aber Jahr für Jahr

etwa eine halbe Million Igel im Straßenverkehr totgefahren,was auf hohe Bestandszahlen hinweist. In Deutschland haben jedoch

sechs von insgesamt 16 Bundesländern den Igel als eine gefährdete Tierart eingestuft. Menschengemachte Gefahren stellen die

größte Bedrohung für den Braunbrustigel dar. Die zunehmende Verknappung seines Lebensraumes durch Bebauung und Ausräumung

der Feldfluren um großflächige, industrielle Landnutzung zu ermöglichen, was erhebliche Habitat-Zerstörungen zur Folge hat, führt

dazu, dass er in Teilen seines Verbreitungsgebietes selten geworden ist. Diese Habitatzerstörungen haben gleichzeitig Inselpopulationen

zur Folge, die genetisch von der übrigen Population isoliert sind. Igel mögen beispielsweise im äußeren Siedlungsbereich eines Dorfes

noch zahlreich vorkommen. Ist dieses Dorf aber von stark befahrenen Verkehrswegen und in intensiver Monokultur genutzten

Agrarflächen umgeben, kommt es zu keinem oder nur einem noch geringen Austausch mit angrenzenden Populationen.

Damit fehlt der für eine gesunde und widerstandsfähige Population notwendige Genaustausch. Isolierte Populationen sind

stärker als andere davon bedroht, durch exogene Faktoren wie beispielsweise durch den Ausbruch einer Epidemie ausgelöscht

zu werden.

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Eingerollter Igel
 

 

 

 

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; zusätzliche Bedingungen können

anwendbar sein. Einzelheiten sind in den Nutzungsbedingungen beschrieben. Fotos: Peter Häfele

 

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